Presse
27.10.2016

die medienanstalten-PM 25/2016; Crossmedial, interaktiv, innovativ – Neue Wege bei der Nachrichtenvermittlung gefragt. GVK-Panel auf den Medientagen München über die Zukunft publizistischer Inhalte im privaten Fernsehen

„Zuverlässige und glaubwürdige Informationen sind die Grundlage für eine demokratische Willensbildung“, so Winfried Engel, Vorsitzender der Gremienvorsitzendenkonferenz der Medienanstalten (GVK). Publizistisch anspruchsvolle Informationen könnten aber mehr Gewicht bei den privaten Vollprogrammen haben – das sei ein Ergebnis der kontinuierlichen Fernsehprogrammforschung der Medienanstalten, die jährlich im Programmbericht publiziert wird. Grund genug für die GVK, die Frage nach der Informationsvielfalt im Privat-TV in den Mittelpunkt ihres gestrigen Panels auf den Medientagen München zu stellen.

Keine Versäumnisse bei den privaten Anbietern sah Hans Demmel, Geschäftsführer von n-tv: „Die großen privaten Programme erreichen mit ihren politischen Informationen gerade die junge Zielgruppe, die die Öffentlich-Rechtlichen nicht erreichen.“ Annette Kümmel, Senior Vice President der ProSiebenSat.1 Media, betonte die Notwendigkeit der Privaten als Wirtschaftsunternehmen, bei der Gestaltung, Gewichtung und Platzierung von Nachrichten die Akzeptanz beim Publikum im Blick zu haben. Sie sehe es als wichtige Aufgabe der Sender, die jungen Leute erst einmal wieder für den politischen Meinungsbildungsprozess zu interessieren. „Deshalb müssen wir über neue Erzählformen und neue Wege bei der Nachrichtenvermittlung nachdenken.“

Prof. Dr. Christoph Neuberger, Direktor des Instituts für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München, bestätigte diese Notwendigkeit aus wissenschaftlicher Sicht: „Wir wollen uns in Zeiten der ständigen Verfügbarkeit von Informationen durch Internet und Social Media nicht mehr in Programmraster zwingen lassen, wir wollen auswählen.“ Die Fernsehsender seien ob ihrer publizistischen Verantwortung daher aus seiner Sicht gefordert, „funktionierende Foren zu schaffen, die politische Diskurse im Internet sinnvoll moderieren.“ Allerdings müsse dann auch kritisch evaluiert werden, ob „solche neu geschaffenen Formate in Bezug auf die Information von politischen Inhalten funktionieren“.

Neue Erzählformen und Formate auch bei der Vermittlung von politischen Inhalten wagen – laut Saskia Kress, der Geschäftsführerin von Filmtank, einer Produktionsfirma für crossmediale Produkte, liegt darin „eine große Chance“. Sie sehe in interaktiven Webdokus und Comics oder Webserien ein „großes Potenzial, um in Zukunft gerade junge Leute zu erreichen“. Beachten müsse man bei der Produktion, dass die Dauer der Aufmerksamkeit immer mehr sinke.

Auf die wichtige Rolle der journalistischen Ausbildung wies Heinz Heim, Bereichsleiter Programm bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), hin. „Die jungen Menschen, die in der Medienbranche arbeiten wollen, brauchen eine qualitativ hochwertige journalistische Basis, auf der sie aufbauen und neue Erzählformen entwickeln können.“

Als Fazit der Veranstaltung hielt der GVK-Vorsitzende Winfried Engel fest: „Das Ziel, junge Menschen auch mit der politischen Berichterstattung zu erreichen, eint uns. Aufgrund der veränderten Markt- und Nutzungssituation sind dabei neue Ansätze unabkömmlich.“ Es bestand Einigkeit darüber, dass man über das wichtige gesellschaftspolitische Thema der Nachrichtenvermittlung auch künftig im Dialog bleiben wolle.


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