Presse
21.10.2013

die medienanstalten-PM 09/2013; Gremienvorsitzende des privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Chancen der Terrestrik für die mobile Mediengesellschaft nutzen

In einer gemeinsamen Sitzung am 17. Oktober 2013 haben sich die Gremienvorsitzenden der ARD und der Landesmedienanstalten zur Bedeutung und Zukunft des terrestrischen Verbreitungswegs für den öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk ausgetauscht.

Die Vertreter der Gesellschaft sind überzeugt, dass die Terrestrik nicht nur eine bedeutende zukunftsfähige und kostengünstige Technologie darstellt, sondern ein wichtiger Baustein ist, um die Anforderungen einer Mediengesellschaft zu erfüllen, die attraktive mobile und hybride Angebote erwartet.

Die Vorsitzenden der Rundfunk- und Verwaltungsräte der ARD sowie die Vorsitzenden der Beschlussgremien der Landesmedienanstalten plädieren daher dafür:

  • den Ausbau des terrestrischen Verbreitungsweges nicht durch vorschnelle Frequenzentscheidungen zu erschweren,
  • das Potential der Terrestrik für die Bedürfnisse der mobilen Mediengesellschaft auszuschöpfen,
  • kombinierte Netze aus Rundfunk- und Telekommunikation zu entwickeln.


Die Gremienvorsitzenden betonen,

  • dass der terrestrische Verbreitungsweg weiterhin notwendig ist, um den Versorgungsauftrag des öffentlichen Rundfunks und das Versorgungsinteresse des privaten Rundfunks flächendeckend wahrnehmen zu können,
  • dass die frei empfangbare Terrestrik auch für die Sicherstellung der Information im Katastrophenfall äußerst wichtig ist,
  • dass die Terrestrik den direktesten Weg zwischen Rundfunk und Nutzer bietet, ohne Gatekeeper und unabhängig von Geschäftsmodellen Dritter,
  • dass die effiziente Technologie DVBT-2 neue Chancen eröffnet, um Fernsehen, Hörfunk, Internet und Telefonie in intelligenten hybriden Geräten zusammenzubringen.

Der ARD-GVK-Vorsitzende Uwe Grund erläutert: „Fernseh- und Hörfunkinhalte werden auch in der Zukunft genutzt werden, aber sie müssen dem Nutzer entgegenkommen. Gerade die Jüngeren wollen nicht an den alten Fernseher gebunden sein, sondern das, was sie sehen wollen, jederzeit und überall parat haben. Gerade DVBT-2 kann hier noch einiges bieten.“

Der GVK-Vorsitzende der Medienanstalten Winfried Engel ergänzt: „Aus unserer Sicht gibt es keinen zeitlichen Druck, jetzt in die Versteigerung einzusteigen, zumal selbst der Mobilfunk derzeit keinen Bedarf sieht. Auch wird z.B. durch ein Gutachten der TU Braunschweig bezweifelt, ob eine Vergabe des 700 MHz-Bandes an den Mobilfunk überhaupt zur Erreichung der Breitbandziele der Bundesregierung geeignet ist.“

Die Gremienspitzen appellieren daher an die Bundesnetzagentur, die frequenztechnischen Fragen einer weiteren digitalen Dividende erst dann anzugehen, wenn die derzeit in Arbeitsgruppen des Bundes und der Länder diskutierten technischen und ökonomischen Fragen hybrider Übertragungstechniken und Endgeräte gelöst sind.

Zum Hintergrund:

In der zweiten Hälfte dieses Jahrzehntes benötigt das Fernsehen den Umstieg von DVB-T zu DVB-T2. Nach einer erfolgreichen Migration kann, europäisch harmonisiert, ab 2020 über die Abgabe des vom Rundfunk genutzten 700 MHz Frequenzbereichs entschieden werden. Eine langfristige Fortentwicklung der bisherigen Rundfunk‐ und Mobilfunktechnik, auch in Bezug auf die Versorgung mit lokalen und regionalen Medieninhalten, wird einen einheitlichen Übertragungsstandard ergeben, der sowohl lineare als auch nichtlineare Medieninhalte effizient und ökonomisch übertragen kann. Deutschland kann in diesem Bereich eine Vorreiterrolle in Europa einnehmen.

Auch der Hörfunk benötigt hybride Anwendungsformen. Die analoge und digitale terrestrische Verbreitung von Radio wird absehbar auf lange Zeit nebeneinander mit unterschiedlichen Angebotsformen und in Koexistenz mit reinen Webradioangeboten bestehen. Erforderlich sind zukünftig Radiogeräte, die alle unterschiedlichen Signale empfangen und verarbeiten können.

Hörfunk, Fernsehen und rundfunkähnliche Telemedien brauchen Verbreitungswege, die auch lokale und regionale Kommunikationsräume berücksichtigen. Die Übertragungstechnik muss für unterschiedliche Angebotsformen und Formate skalierbar sein – so werden beispielsweise im lokalen und regionalen Bereich allenfalls langfristig HD-Angebote des Fernsehens verfügbar sein, die auf anderen Ebenen frühzeitig nachgefragt werden. Für Rundfunk und rundfunkähnliche Telemedien muss die Chance bestehen, dass sie außerhalb von Geschäftsmodellen des Mobilfunks – also auch ohne Sim-Karte in Smartphones und Tablets – den Endkunden erreichen. Zur Refinanzierung sind, etwa im privaten Rundfunk, gemeinsame Geschäftsmodelle mit Mobilfunkanbietern technisch offen zu halten.

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