Presse
11.07.2017

KEK-Pressemitteilung 09/2017; Ergebnisse 229. Sitzung der KEK

  • Zulassung Eurosport1, Eurosport2 und Eurosport2 xtra HD / Discovery Communications Deutschland GmbH & Co. KG
  • Zulassung TIMM-TV / DFW Deutsche Fernsehwerke GmbH
  • Beteiligungsveränderung / Turner Broadcasting System Deutschland GmbH
  • Beteiligungsveränderung / The History Channel (Germany) GmbH & Co. KG
  • Beteiligungsveränderung / Bibel TV Stiftung gGmbH

Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) hat entschieden, dass den folgenden Zulassungen und Beteiligungsveränderungen keine Gründe der Sicherung der Meinungsvielfalt entgegenstehen:

Zulassung Eurosport1, Eurosport2 und Eurosport2 xtra HD / Discovery Communications Deutschland GmbH & Co. KG
Die Discovery Communications Deutschland GmbH & Co. KG hat bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) die Zulassung zur Veranstaltung der bundesweiten Fernsehspartenprogramme Eurosport1, Eurosport2 und Eurosport2 xtra HD beantragt. Bislang wurden Eurosport1 und Eurosport2 wie auch die internationalen Eurosport-Programme von der Eurosport SAS auf der Grundlage einer paneuropäischen Lizenz des französischen Conseil supérieur de l’audiovisuel (CSA) veranstaltet. Die Programme für das deutschsprachige Territorium sollen nunmehr von der Discovery Communications Deutschland GmbH & Co. KG veranstaltet werden.

Eurosport1 ist seit 1989 bundesweit frei empfangbar. Das Programm umfasst maßgeblich Live-Übertragungen von den Olympischen Spielen sowie Fußball (u. a. FA Cup, DFB Junioren), Tennis, Radsport, Wintersport, Motorsport und Leichtathletik. Das Pay-TV-Programm Eurosport2 erweitert und vertieft das Angebot von Eurosport1, vor allem bei populären Sportarten mit mehreren parallel stattfindenden Live-Events, wie z. B. im Wintersport oder bei Tennis Grand Slams. Eurosport2 xtra HD soll als Simulcast von Eurosport2 ausgestrahlt werden, bei dem an den Spieltagen der Fußball Bundesliga abweichend Live-Übertragungen und entsprechende Vor- und Nachberichterstattung gezeigt werden sollen. Der Discovery-Konzern hatte hierfür ein Rechtepaket mit Live-Übertragungen von 40 Bundesligaspielen pro Saison für die vier Spielzeiten ab 2017/2018 erworben.

Die Discovery Communications Deutschland GmbH & Co. KG veranstaltet bereits die Pay-TV-Spartenprogramme Discovery Channel und Animal Planet sowie die frei empfangbaren Programme DMAX und TLC. Sie ist mittelbar eine 100%ige Tochtergesellschaft der Discovery Communications, Inc. (s. Unternehmenssteckbrief), dem nach eigener Darstellung weltweit führenden Medien- und Entertainmentunternehmen im nichtfiktionalen Bereich. Tochterunternehmen des Discovery-Konzerns veranstalten weltweit eine Vielzahl von Spartenprogrammen (u. a. Discovery Channel, Animal Planet, TLC, Investigation Discovery, Discovery Kids, Discovery Science, Discovery Home & Health, Eurosport) und erreichen nach eigenen Angaben mehr als 2,9 Mrd. Abonnenten in 220 Ländern und Regionen. Discovery Communications bietet zudem Bildungsprodukte und Dienstleistungen für Schulen an. Ein weiteres Geschäftsfeld ist das Produktions- und Lizenzgeschäft. In Deutschland ist der Discovery-Konzern in diesem Bereich über die all3media Deutschland GmbH mit ihren Labels MME Moviement, filmpool entertainment und filmpool fiction aktiv.

Von den Stimmrechten der Discovery Communications Inc. halten die Advance Newhouse Programming Partnership insgesamt ca. 24,5 % und Dr. John C. Malone zusammen mit seiner Ehefrau Leslie Malone insgesamt ca. 21,2 %. Bei bestimmten Entscheidungen über die Besetzung von Positionen der Leitungsebene der Discovery Communications, Inc. erhöht sich das Stimmrecht von Dr. Malone auf 28,2 %. Dr. Malone verfügt über zahlreiche weitere Medienbeteiligungen. Er hält unter anderem 26 % der Stimmrechte der Liberty Global plc., 38 % der Stimmrechte der Liberty Interactive Corporation und 48 % der Stimmrechte der Liberty Media Corporation. Zu den Geschäftsfeldern der Liberty Global plc. zählen Kabelnetze, Internet und interaktives Fernsehen. In Deutschland hält sie sämtliche Anteile an der Kabelnetzbetreiberin Unitymedia. Eine Tochtergesellschaft der Liberty Interactive Corporation veranstaltet die bundesweit empfangbaren Teleshopping-Sender QVC, QVC Beauty & Style und QVC Plus. Die Liberty Media Corporation hat jüngst die Muttergesellschaft der Rennserie Formel 1 übernommen.

Die Advance Newhouse Programming Partnership ist ein Unternehmen der Konzerngruppe Advance Publications, Inc. Zu dieser gehören Zeitschriftenverlage wie Condé Nast Publications (in Deutschland u. a. Vogue, Glamour, GQ, myself), American City Business Journals (Wirtschaftszeitungen), Tageszeitungen, lokale Nachrichtensender und Anteile an Kabelnetzbetreibern in den USA, mit Printtiteln verbundene Internetangebote sowie die Social News Website Reddit. Die Advance Publications, Inc. befindet sich in Privatbesitz der Brüder Donald und Samuel I. Newhouse Jr.

Zulassung TIMM-TV / DFW Deutsche Fernsehwerke GmbH
Die DFW Deutsche Fernsehwerke GmbH hat bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) die Zulassung für das Fernsehspartenprogramm TIMM-TV beantragt. Das auf die Zielgruppe homosexueller Männer ausgerichtete Programm wird via Internet über die Plattform von Zattoo verbreitet. An der Veranstalterin halten die cine plus Vision GmbH 95,83 % und die cine plus Innovation GmbH 4,17 % der Anteile. Beide Gesellschaften – erstere mittelbar über die cine plus Südwest GmbH – stehen vollständig im Anteilsbesitz von Frank Evers. 

Beteiligungsveränderung / Turner Broadcasting System Deutschland GmbH

Die Turner Broadcasting System Deutschland GmbH, Veranstalterin der Fernsehspartenprogramme TNT Serie, TNT Film, TNT Comedy, Boomerang und Cartoon Network, hat bei der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) Beteiligungsveränderungen angezeigt, die im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme ihrer Konzernobergesellschaft Time Warner, Inc. durch die AT&T, Inc. stehen.

Die Übernahme soll in zwei Schritten umgesetzt werden: Zunächst wird die West Merger Sub, Inc., eine 100%ige Tochtergesellschaft der AT&T, Inc., mit der Time Warner, Inc. fusioniert. Aus der Fusion soll die Time Warner, Inc. als überlebende Gesellschaft hervorgehen. Unmittelbar danach soll voraussichtlich die Time Warner, Inc. mit der West Merger Sub II, LLC, einer weiteren 100%igen Tochtergesellschaft der AT&T, Inc., fusionieren. Überlebende Gesellschaft soll dann die West Merger Sub II, LLC sein. Das Vorhaben unterliegt weiteren Genehmigungen durch Wettbewerbs- und Regulierungsbehörden. Der Abschluss der Übernahme ist bis Ende 2017 vorgesehen.

AT&T beabsichtigt, den Kaufpreis für die Time-Warner-Aktien zur Hälfte in bar und zur Hälfte in eigenen Aktien zu bezahlen. An AT&T sind gegenwärtig zwei Aktionäre mit Anteilen von mehr als 5 % beteiligt: die BlackRock, Inc. (5,8 %) und The Vanguard Group, Inc. (6,55 %). Diese Aktionäre hielten bisher auch Anteile an Time Warner von über 5 %. Wie sich die Ausgabe von AT&T-Aktien an die bisherigen Time-Warner-Aktionäre auf die Aktionärsstruktur von AT&T auswirken wird und ob damit weitere anzeigepflichtige Vorgänge verbunden sind, lässt sich derzeit noch nicht absehen.

Time Warner zählt mit einem Jahresumsatz von 29,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2016 zu den größten Medien- und Unterhaltungskonzernen der Welt (s. Unternehmenssteckbrief). Die drei wesentlichen Unternehmensbereiche des Konzerns sind Turner (Kabelfernsehprogramme und digitale Medien), Home Box Office (Pay-TV) und Warner Bros. (Spielfilm- und TV-Produktion, Rechtehandel, Home Entertainment und Videospiele. Der Geschäftsbereich Time, Inc. (Verlagsgeschäft) wurde 2014 abgespalten und agiert seither als unabhängiges börsennotiertes Unternehmen.

AT&T ist eines der weltweit größten Telekommunikationsunternehmen mit einem Umsatz von 163,8 Mrd. US-Dollar im Jahr 2016. Zweitgrößtes Geschäftsfeld nach dem Segment Business Solutions ist das Entertainmentsegment, das die Aktivitäten von DirecTV, dem führenden Anbieter für Satelliten-Pay-TV in den USA, umfasst. In Europa ist AT&T derzeit nur im Bereich der Kommunikationsdienste für Geschäftskunden aktiv. Das Unternehmen verspricht sich von der Kombination der Inhalte und Marken von Time Warner mit den Kommunikationsnetzen von AT&T finanzielle und strategische Vorteile.

Beteiligungsveränderung / The History Channel (Germany) GmbH & Co. KG
Die Comcast/NBC Universal-Gruppe zieht sich als Gesellschafterin aus dem Gemeinschaftsunternehmen The History Channel (Germany) GmbH & Co. KG zurück; die Mitgesellschafterin A&E Television Networks LL.C. (AETN) übernimmt mittelbar sämtliche Anteile. Tochtergesellschaften von AETN veranstalten weltweit Spartenkanäle u. a. unter den Marken History, Crime & Investigation und A&E. In Deutschland veranstaltet die The History Channel (Germany) GmbH & Co. KG die Pay-TV-Spartenprogramme History und A&E auf Grundlage von Lizenzen der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Gesellschafter von AETN sind mittelbar die The Walt Disney Company, Inc. und The Hearst Corporation mit je 50 % der Anteile.

Disney ist einer der weltweit größten Medienkonzerne (s. Unternehmenssteckbrief). Er ist in Deutschland über Tochtergesellschaften im Wesentlichen im Bereich Kinderprogramm aktiv: Die The Walt Disney Company Ltd. veranstaltet die Programme Disney Cinemagic und Disney Cinemagic HD, ihre 100%ige Tochtergesellschaft The Walt Disney Company (Germany) GmbH die Programme Disney Channel, Disney Junior und DisneyXD. Über Zwischengesellschaften hält Disney zudem Beteiligungen an den Veranstalterinnen der Programme SUPER RTL, TOGGO plus und RTL II.

Zu dem U.S.-amerikanischen Medienkonzern Hearst gehören unter anderem Tageszeitungen, lokale Fernsehsender und Radiostationen in den USA sowie internationale Monatsmagazine (z. B. Cosmopolitan, ELLE, Marie Claire). In Deutschland betreibt Hearst zusammen mit dem Burda-Verlag das Gemeinschaftsunternehmen Burda Hearst Publishing GmbH, das die deutschen Titel der Marke ELLE sowie die Zeitschrift Harper's BAZAAR verlegt. Die Hearst Corporation steht im Treuhandvermögen (Trust) der Familie Hearst.

Beteiligungsveränderung / Bibel TV Stiftung gGmbH
Die Bibel TV Stiftung gGmbH hat bei der Medienanstalt Hamburg / Schleswig-Holstein (MA HSH) eine Beteiligungsveränderung auf der zweiten Gesellschafterebene angezeigt: Bei der Tellux Beteiligungsgesellschaft mbH ist die saint-paul luxembourg S.A. als Gesellschafterin ausgeschieden und ihre Geschäftsanteile wurden auf sieben von elf Mitgesellschafter verteilt. Die Tellux Beteiligungsgesellschaft mbH ist über ihre 100%ige Tochtergesellschaft Astratel Radio- und Television-Beteiligungsgesellschaft mbH zu 12,75 % an der Bibel TV Stiftung gGmbH beteiligt, die den Spartensender Bibel TV veranstaltet.

 

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