Nach deutlichen Umsatzeinbrüchen im Krisenjahr 2009 steht der private Rundfunk in Deutschland heute wieder auf einem sicheren Fundament. Die wirtschaftliche Situation hat sich schneller stabilisiert als erwartet. Das zeigt die Studie „Wirtschaftliche Lage des Rundfunks in Deutschland 2010/2011“, die als Vollerhebung unter allen privaten Rundfunkanbietern im Auftrag der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) unter Federführung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) durchgeführt wurde.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:
Die Untersuchung und Befragung aller privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunkunternehmen (Radio und Fernsehen) in Deutschland wurde durch die Goldmedia GmbH Strategy Consulting durchgeführt. Die Länderberichte verfasste das Autorennetzwerk pbm_network.
Studienergebnisse im Detail:
Privater Rundfunk nach Krisenjahr 2009 wieder erstarkt
Die Befragung aller privaten Rundfunkveranstalter in Deutschland ergab, dass die Gesamterträge im privaten Radio und Fernsehen 2010 um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind. Die Erträge liegen mit 8,23 Mrd. Euro insgesamt wieder auf einem höheren Niveau als 2008 (8,02 Mrd. Euro). Im Jahr 2009 waren sie zwischenzeitlich auf 7,66 Mrd. Euro und damit um rund 4,4 Prozent abgesunken. Die Erlöse aus klassischen Werbespots waren zwischen 2008 und 2009 sogar um rund 7,5 Prozent gefallen, erholten sich jedoch ebenfalls und lagen mit 4,34 Mrd. Euro im Jahr 2010 wieder so hoch wie 2008. Andere Erlösquellen lagen 2010 mit insgesamt 3,67 Mrd. Euro um rund 200 Mio. Euro deutlich über dem Wert von 2008. Vor allem die Umsätze aus Pay-TV-Gebühren sowie die Teleshoppingerlöse konnten deutlich dazugewinnen, während die Bedeutung von Call Media weiter zurückging.
Gleichzeitig reduzierten die privaten Rundfunkanbieter ihre Aufwendungen gegenüber 2008 um insgesamt rund 100 Mio. Euro und steigerten damit auch die Profitabilität. Von 2008 auf 2009 war der Kostendeckungsgrad im gesamten privaten Rundfunk zunächst von 110 auf 107 Prozent gefallen, konnte anschließend jedoch wieder auf 114 Prozent gesteigert werden.
Differenziert nach Gattungen konnten vor allem die privaten Fernsehanbieter incl. Teleshopping 2010 gegenüber 2009 mit einem Zuwachs von 8 Prozent deutlich zulegen auf 7,58 Mrd. Euro. Die deutschen Privatradios, die die Krise bereits im Jahr 2008 traf, konnten bei den Umsätzen schon 2009 um 2,7 Prozent zulegen; 2010 lag das Wachstum jedoch nur bei 0,5 Prozent. Das Umsatzniveau von 644 Mio. Euro im Jahr 2010 liegt aber noch unter dem Wert von 2007.
Steigende Umsatzerwartungen für 2011
Für das Jahr 2011 erwarten die deutschen TV-Anbieter in allen Segmenten eine weiterhin positive Entwicklung mit einem Erlöswachstum von insgesamt rund 3 Prozent gegenüber 2010. Jedoch fallen die Wachstumserwartungen bei den unterschiedlichen Anbieterkategorien verschieden aus. Die Free-TV-Anbieter gehen lediglich von einem marginalen Wachstum von 0,3 Prozent aus, während die deutschen Anbieter von Pay-TV mit einem deutlichen Zuwachs von rund 8,9 Prozent rechnen. Ebenfalls optimistisch blicken die Teleshopping-Anbieter auf das Jahr 2011: Sie erwarten ein Wachstum von rund 7,4 Prozent. Im Bereich des regionalen Fernsehens wird mit einem moderaten Zuwachs um etwa 2 Prozent gerechnet.
Die privaten Hörfunkanbieter sehen für das Jahr 2011 ebenfalls ein, wenn auch insgesamt geringeres, Wachstum von knapp 2 Prozent. Der landesweite Hörfunk geht nur von einem Wachstum von 0,5 Prozent aus, während die Anbieter des lokalen Hörfunks mit einem erwarteten Umsatzzuwachs von 3,7 Prozent optimistischer sind. Die Anbieter bundesweiter Hörfunkprogramme rechnen mit einem Plus von 2,6 Prozent.
Wachsende Bedeutung des Online-Geschäfts
Das Online-Geschäft hat für die privaten Rundfunkanbieter eine wachsende Bedeutung. Dies zeigt sich besonders an den Online-Werbeumsätzen der TV-Anbieter. Zwar wurden im Jahr 2010 nur rund 67 Mio. Euro in diesem Segment erlöst. Dies entspricht weniger als einem Prozent des Gesamtertrags. Bis zum Jahr 2015 erwarten die befragten Anbieter jedoch, dass der Umsatzanteil auf knapp 6 Prozent des Gesamtertrags anwachsen wird.
Etwas geringere Erwartungen an das Online-Geschäft haben die privaten Radioanbieter. 2010 lag der Anteil der Onlinewerbung mit rund 5,5 Millionen Euro ebenfalls bei knapp einem Prozent des Gesamtertrags. Bis zum Jahr 2015 wird sich dieser Anteil nach Einschätzungen der Anbieter auf rund 3 Prozent immerhin verdreifachen.
Beschäftigung im Rundfunk gestiegen
Dank Zuwächsen bei den privaten Rundfunkunternehmen ist die Gesamtbeschäftigung in der Rundfunkbranche im Jahr 2010 gegenüber 2008 um rund 500 Mitarbeiter gestiegen und liegt nun bei einer Anzahl von 75.407. Während im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein weiterer Beschäftigungsrückgang zu verzeichnen ist, stieg die Beschäftigung bei den privaten Anbietern um insgesamt 860 Mitarbeiter trotz der Werbekrise im Jahr 2009. Insgesamt beschäftigten die privaten Rundfunkanbieter Ende 2010 24.687 Personen, davon 18.730 in Festanstellung. Der Frauenanteil bei den festangestellten Mitarbeitern lag bei rund 51 Prozent.
Faktenvergleich 2008 und 2010
Im Vergleich zu 2008 zeigt die Lage 2010 in den verschiedenen Segmenten des privaten Rundfunks unterschiedliche Entwicklungslinien:
Privates Fernsehen
Privater Hörfunk
Eine ausführliche Zusammenfassung der Ergebnisse ist abrufbar unter www.die-medienanstalten.de/service/publikationen/studie-rundfunkwirtschaft.html. Der vollständige Ergebnisbericht der Untersuchung mit detaillierten Länderberichten erscheint Mitte Dezember 2011 unter dem Titel "Wirtschaftliche Lage des Rundfunks in Deutschland 2010/11" im VISTAS Verlag, Goltzstraße 11, 10781 Berlin.
Über die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM)
Die DLM nimmt die Interessen der Mitgliedsanstalten auf dem Gebiet des Rundfunks auf nationaler und internationaler Ebene wahr. Sie behandelt gemeinsame Angelegenheiten außerhalb der Zulassungs- und Aufsichtsaufgaben, holt Gutachten zu Fragen ein, die für die Aufgaben der Mitgliedsanstalten von grundsätzlicher Bedeutung sind, und beobachtet und analysiert die Programmentwicklung. In der DLM arbeiten die Direktoren bzw. Präsidenten der 14 Landesmedienanstalten zusammen.
Vorsitz: Thomas Fuchs (Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein)

Dr. Friederike Grothe
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