Ob die allabendliche Tagesschau analog oder digital auf dem Fernsehschirm erscheint, ist für den Zuschauer zunächst unerheblich. Einige Fernsehzuschauer sind sich gar nicht sicher, wie ihr Fernsehsignal ins Wohnzimmer gelangt, da dies häufig vom Vermieter bereits geregelt wurde. Doch die Digitalisierung des Fernsehens birgt große Veränderungen und Chancen für alle Beteiligte: Für den Zuschauer kann sie eine größere Programmauswahl, verbesserte Bildqualität und Zusatzdienste (wie Programmführer) bedeuten. Die Veranstalter und Netzbetreiber können neue Geschäftsmodelle erschließen, die Gerätehersteller erweitern ihr Angebot beispielsweise um die entsprechenden Receiver.
Der international vereinbarte Standard für die digitale Übertragung von Fernsehprogrammen und Multimediadiensten nennt sich Digital Video Broadcasting (DVB). Die Zusätze S, C, T und H hinter der Abkürzung DVB kennzeichnen die Übertragungswege: DVB-S steht für die Übertragung via Satellit, DVB-C für eine Übertragung via Kabel, DVB-T beschreibt die Ausstrahlung der digitalen Bilder über terrestrische Sendeanlagen und DVB-H ist ein Standard für die Übertragung von Programmen auf tragbare (Handheld) und mobile Empfänger.
Bei DVB bleibt das bisherige Kanalraster unverändert, jedoch sind nun pro Kanal statt eines analogen Fernsehprogramms mehrere digitale Fernsehprogramme gleichzeitig und ohne gegenseitige Beeinflussung übertragbar. Bei DVB-S handelt es sich um 8 bis 10 Fernsehprogramme pro Transponder, bei DVB-C sind es pro Kanal ebenfalls 8 bis 10 Fernsehprogramme, während DVB-T die Übertragung von 4 Fernsehprogrammen pro Kanal ermöglicht, die jedoch auch portabel empfangbar sind. Die Übertragungskapazität von DVB kann auch für Hörfunkprogramme oder Dienste genutzt werden.
Der Digitalisierungsgrad weist zwischen den Übertragungswegen große Unterschiede auf. So ist der Fernsehempfang über Antenne mittlerweile nur noch digital möglich, die analoge Satelliten-Übertragung soll im April 2012 abgeschaltet werden. Knapp 80 % der Satellitennutzer empfangen ihr TV-Signal schon digital. Daher erscheint es durchaus realistisch, dass 2012 nahezu alle analogen Satellitenhaushalte bereits auf den digitalen Empfang umgestellt haben. Bei dem wichtigsten Übertragungsweg Kabel ist der Analog-Digital-Umstieg allerdings noch zu meistern. Bislang empfangen lediglich 28 % der Kabelhaushalte digitales Fernsehen, doch auch hier ist die Tendenz stetig steigend.
Eine weitere Möglichkeit, Fernsehen digital zu empfangen, besteht darin, direkt über die Internetverbindung zu gehen. Mit IP-TV ist das möglich, allerdings nutzen bislang erst knapp 4 % der TV-Haushalte diesen Übertragungsweg. Über eine stabile Internetverbindung, die eine Mindestbandbreite von 6Mbit aufweisen sollte, sind viele Rundfunkinhalte zudem online abrufbar. Die Vielfalt des Web-TV sowie der Breitbandausbau befördern diesen Trend.