Eine wachsende Bedeutung für die Übertragung von Video- und Audioinhalten nehmen Online-Plattformen ein. Sie stellen verschiedene Angebote zusammen: Serien, Filme, Hörbücher, Podcasts, Spiele und Applications. Bei einigen muss vor der Nutzung eine Software heruntergeladen werden, sodass der Nutzer beispielweise nur über iTunes mit der eigenen Registrierung in den Shop gelangen kann. Andere setzen nur eine Registrierung voraus, der Shop ist dann ohne Software zu nutzen, so zum Beispiel bei maxdome. Die meisten Plattformen bieten sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Inhalte an, bezahlt wird in der Regel über die bei der Registrierung hinterlegten Kreditkartenangaben.
Auch aus medienwirtschaftlicher Sicht werden Online-Plattformen immer bedeutender, da hier neue Werbeformate wie In-Stream-Werbung erprobt werden können. Und es scheint sich hierbei um ein vielversprechendes Modell zu handeln, denn die Werbeerlöse steigen rasant. Alleine von 2007 bis 2009 haben sich die Umsätze der Online-Videowerbung verzehnfacht (auf 32,2 Mio. EUR), sodass der Markt für Online-Videowerbung bereits heute mehr als dreimal so hohe Umsätze erwirtschaftet wie der TV-Werbemarkt (9,4 Mio. EUR). Zudem werden hier Nutzerdaten verwaltet und die Navigation zu den Inhalten organisiert – auch dabei handelt es sich um ertragreiche Geschäftsmodelle. Neben urheber- und datenschutzrechtlichen Fragen werfen die Online-Plattformen auch regulatorische Fragen auf.
Für die Plattformregulierung sind die Online-Plattformen eine komplexe Herausforderung, denn bislang hat sich die Regulierung auf klassische Rundfunkplattformen wie beispielweise Kabelnetzbetreiber konzentriert. 2010 befasste sich die ZAK zum ersten Mal mit einer Plattform im offenen Netz: Zattoo ist derzeit die einzige Plattform, die deutsche Livestreams verschiedener Sender auf einer Plattform zusammenstellt. Die Dynamik dieses Webbereichs ist enorm, nicht zuletzt weil die Nutzung von Online-Videos rapide steigt. Offenbar besteht eine steigende Nachfrage nach individuell und zeitversetzt nutzbaren Rundfunkinhalten. Was das für die Regulierung bedeutet, ist noch eine offene Frage.
Die Medienregulierung steht in jedem Fall vor der Aufgabe auf diese Entwicklungen zu reagieren, was allerdings nicht bedeuten muss, neue Regularien zu entwerfen, sondern vielmehr zunächst zu prüfen, ob bestehende Rahmenbedingungen auch auf Online-Plattformen angewendet werden können – oder eben nicht.
Plattformtagung der Medienanstalten am 26.01.2011