Meister Proper reloaded – Werbung zwischen neuen Formaten und moderner Regulierung Programmbericht 2015

Der aktuelle Programmbericht greift ein Thema auf, mit dem wir alle – bewusst oder unbewusst – täglich zu tun haben. Es geht um Werbung. Am Markt tummeln sich neue Wettbewerber, interaktive Formate werden entwickelt und crossmediale Kampagnen sind keine Seltenheit mehr. Welche Auswirkungen haben maßkonfektionierte und unmittelbar ins Programm integrierte Werbeformen auf Medieninhalte? Welche Rolle spielen Youtuber als Werbeträger? Wie kann sich moderne Regulierungspraxis, aber auch der Nutzer, darauf einstellen?

Um solche Fragen dreht sich der diesjährige Programmbericht. Aus Produzentensicht erfahren wir, wie Content-Marketing bei der Produktion fiktionaler Unterhaltungsangebote helfen kann. Welche Form der Regulierung sich die Vermarkter wünschen, lässt sich ebenso nachlesen. Product Placement bei YouTube, die drei Säulen des TV-Konsums und die Frage, wie es überhaupt um unsere Werbekompetenz bestellt ist: Der Programmdiskurs rund um das Thema konvergente Werbung behandelt all dies und wurde am 10. Mai 2016 in Leipzig im Rahmen einer Veranstaltung vorgestellt.

Von Kochprofis und Schwiegertöchtern

Auch die aktuelle Programmanalyse der acht reichweitenstärksten Fernsehvollprogramme hält wieder spannende Ergebnisse bereit. Ein Trend zum Beispiel ist ungebrochen und besonders in den privaten Programmen zu finden: Es werden Wohnungen renoviert, Restaurants gerettet und Schwiegertöchter gesucht – Reality-TV, so genannte hybride Fernsehformate in verschiedenen Ausprägungen. In vermeintliche Alltagsgeschichten verpackte Lebensberatung, Laiendarsteller im Gerichtssaal, soziale Experimente im Wohnzimmer – bei VOX und RTL II macht dieses Programm mittlerweile 12 Stunden täglich aus. Das ist die Hälfte eines kompletten Sendetags. Und auch bei RTL und Sat.1 laufen gescriptete Fernsehserien den konventionellen Serienformaten den Rang ab.

Meister Proper reloaded – Werbung zwischen neuen Formaten und moderner Regulierung Programmbericht 2015

Private Programme profilieren und verändern sich fast ausschließlich im Bereich der Unterhaltung – und nicht etwa der Information. Neue Show-Formate sowie fiktionale Spielfilme und Serien dominieren den durchschnittlichen Sendetag mit Unterhaltungsanteilen von mehr als 60 Prozent (VOX, RTL II, Sat.1, ProSieben, kabeleins). Bei der politischen Information freilich zeigt sich ein anderes Bild: An einem durchschnittlichen Sendetag finden sich bei ProSieben und kabel eins noch genau 4 Minuten, in denen über politische Themen berichtet wird. Damit liegen beide Programme unterhalb der Rundungsgrenze von einem Prozent. RTL nimmt hier mit 36 Minuten pro Tag und einem Anteilswert von 2,5 Prozent eine Sonderstellung unter den Privaten ein. Erst mit weitem Abstand folgt Sat.1 mit 17 Minuten pro Tag und 1,2 Prozent.

Fernsehen: Rundfunk oder Datenstrom?

Die zunehmend nicht-lineare Nutzung von Inhalten aus dem Fernsehen und dem Bewegtbild ganz allgemein ist in aller Munde. Welcher Teil der Angebote online überhaupt abrufbar ist, haben sich die Wissenschaftler angeschaut und kommen zu eindeutigen Ergebnissen: Die Verfügbarkeit von linear ausgestrahlten Programminhalten im Internet ist innerhalb der letzten sieben Jahre stetig angestiegen und hat ein sehr hohes Niveau erreicht. Nahezu jede Sendung, die in der Produktionsverantwortung der Programmanbieter selbst liegt, ist danach – wenn auch nur für kurze Zeit – im Internet vollständig und kostenfrei verfügbar. Bei den Öffentlich-Rechtlichen verschwindet sie nach dem siebten Tag, bei den Privaten wird sie in Teilen kostenpflichtig. Zwischen den Sendern gibt es natürlich Unterschiede, welche Sendungen sich dann auch in ihren Mediatheken wiederfinden: Bei RTL zum Beispiel unterscheidet sich das lineare Programm kaum vom Angebot in der Mediathek. Die ProSieben-Mediathek dagegen hat mit dem, was im linearen Programm läuft, weitaus weniger gemeinsam. Die vollständige Übersicht über die linear ausgestrahlten vs. in die Mediatheken eingestellten Programmangebote finden Sie hier im Programmbericht.

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