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KJM-Pressemitteilung 08/2015; KJM im Dialog: Gesamtstrategie gegen Gewaltdarstellungen im Netz gefordert

Ob Enthauptungsvideos des IS zu Propagandazwecken, drastische Bilder aus Krisengebieten in der Berichterstattung oder privat gefilmte Gewaltexzesse: Kinder und Jugendliche kommen im Internet leichter denn je mit verstörenden Bildern in Berührung. Unter dem Motto „Extreme Gewaltdarstellungen im Netz: Wie können wir unsere Kinder und Jugendlichen schützen?“ lud deshalb die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) gestern zu einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „KJM im Dialog“ in die Vertretung des Saarlandes beim Bund in Berlin ein.

Angesichts der Tatsache, dass die überwiegende Mehrheit der festgestellten Verstöße auf ausländischen Servern liegt, forderte der KJM-Vorsitzende Siegfried Schneider in seiner Rede ein Umdenken von rein einzelstaatlich ausgerichteten Maßnahmen hin zu einem verstärkt international ausgerichteten Vorgehen: „Internationalen Herausforderungen können wir nur mit international wirksamen Lösungen begegnen. Eine besondere Rolle wird dabei auch der technische Jugendmedienschutz spielen. Hier sollte in den nächsten Jahren der Fokus auf der Schaffung länderübergreifender Standards, wie z. B. der internationalen Auslesbarkeit von Labeln für Jugendschutzprogramme liegen.“

Dr. Beate Merk, Staatsministerin für Europaangelegenheiten und regionale Beziehungen, hob in ihrer Keynote die Notwendigkeit der zügigen Überarbeitung der bestehenden gesetzlichen Grundlagen auf europäischer Ebene hervor: „Ich fordere die Europäische Kommission dringend dazu auf, die Richtlinie für audiovisuelle Mediendienste möglichst rasch zu überarbeiten. Wir brauchen in der Europäischen Union verbindliche Basis-Standards zum Schutz von Minderjährigen. Höhere Schutzstandards in einzelnen Mitgliedstaaten müssen dabei weiterhin möglich sein.“

In der anschließenden Paneldiskussion wurden verschiedene Lösungsmodelle für einen effektiven Kinder- und Jugendschutz in den Medien debattiert. Otto Vollmers, Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter, stellte angesichts der rasanten technischen Veränderungen die althergebrachten Mechanismen der Medienaufsicht in Frage und wies auf die steigende Bedeutung des technischen Jugendmedienschutzes hin. Dr. Beate Merk betonte, dass die Überarbeitung der gesetzlichen Grundlagen derzeit für die Politik Priorität habe. Susann Rüthrich, MdB, Vorsitzende der Kinderkommission des Deutschen Bundestages, hob neben der Notwendigkeit der Aktualisierung der bestehenden Regulierung auch die Bedeutung von Medienkompetenz für den Schutz von Kindern und Jugendlichen hervor. Felix Seidel, Justiziar Medienrecht und Jugendschutzbeauftragter bei Axel Springer SE betonte, dass die Vermittlung von Kompetenz im Umgang mit problematischen Medieninhalten auch den Unternehmen wichtig sei und man grundsätzlich dazu bereit sei, entsprechende Projekte zu unterstützen. Prof. Dr. Stefan Weichert, Leiter Digital Journalism der Hamburg Media School, rief die Beteiligten zu einem radikaleren Denken und zur Entwicklung neuer Denkansätze auf.

Der KJM-Vorsitzende zog eine positive Bilanz der Veranstaltung: „Die heutige Diskussion zeigt, dass ein effektiver Jugendmedienschutz eine national wie international ansetzende Gesamtstrategie benötigt.“

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