Intermediäre und Meinungsbildung

Soziale Netzwerke, Instant-Messaging-Dienste, Suchmaschinen oder Videoportale – die so genannten Medienintermediäre – sind wesentliche Elemente des Kommunikations- und Informationsverhaltens online. Sie vermitteln zwischen denen, die journalistisch-redaktionelle Inhalte erstellen und den Rezipienten bzw. Nutzern auf der anderen Seite. Sie sind damit wichtige Gatekeeper, denn ihre in Algorithmen kodifizierten Aggregations-, Selektions- und Präsentationskriterien entscheiden darüber, wie viele und welche Nutzer ein Angebot erreicht.

Die Studie Intermediäre und Meinungsbildung ist Bestandteil des Medienvielfaltsmonitors der Medienanstalten. Sie ermittelt, analog zur Mediengewichtungsstudie, die informierende Tagesreichweite von Intermediären sowie ihre relative Bedeutung im Informationsmix der befragten Personen. Grundlage ist eine bevölkerungsrepräsentative Befragung von jährlich mehr als 4000 Personen.

Kernbefunde der aktuellen Erhebung (2020 II)

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie steigt die Tagesreichweite von Intermediären stärker als in den Vorjahren – und das bei allen Angeboten / Diensten. Mehr als drei Viertel der Personen ab 14 Jahren in Deutschland nutzen täglich Intermediäre. Fast sechs von zehn Personen nutzen täglich WhatsApp (58 %) und/oder Google (57 %), fast ein Drittel YouTube (29 %), jeder fünfte Facebook (22 %) und/oder Instagram (20 %). Das stärkste Wachstum gegenüber dem Vorjahr verzeichnen Instagram (+28 %), YouTube (+27 %) und die Suchmaschine Google (+22 %).

Die Nutzung von Intermediären ist klar altersabhängig: Neun von zehn (91 %) der 14-29-Jährigen nutzen täglich Intermediäre, aber auch bei den über 50-Jährigen ist es schon knapp jeder Zweite (48 %). Die größten Unterschiede finden sich bei Sozialen Netzwerken und Videoportalen.

Intermediäre spielen eine zentrale Rolle bei der Information über das Zeitgeschehen. Fast jede zweite Person in Deutschland (45 %) nutzt täglich Intermediäre, um sich über das aktuelle Zeitgeschehen in Politik, Wirtschaft und Kultur zu informieren. Jede dritte Person (33 %) nutzt dafür täglich Suchmaschinen, jede Fünfte (22 %) Soziale Netzwerke und jede Achte Videoportale.

Besonders ausgeprägt ist die informierende Nutzung von Intermediären unter den Jüngeren. Mehr als sieben von zehn (71 %) der 14 bis 29-Jährige nutzen täglich Intermediäre um sich zu informieren. Dabei spielen neben Google Search Bewegtbildangebote wie Instagram und YouTube eine herausgehobene Rolle – beide Angebote werden von etwa einem Viertel der 14-29-Jährigen täglich genutzt, um sich über das Zeitgeschehen in Politik, Wirtschaft und Kultur aus Deutschland und aller Welt zu informieren.

Intermediäre spielen eine wichtige Rolle als Gatekeeper journalistisch-redaktionell erstellter Inhalte. Mehr als ein Viertel (27 %) der Personen ab 14 Jahre in Deutschland nutzt die Medienintermediäre als Kontakthersteller zu professionellen journalistisch-redaktionellen Inhalten.

Studie 2020-II "Intermediäre und Meinungsbildung"

Kontinuierliche Studie auf Basis der Mediengewichtungsstudie, einer Komponente des Medienvielfaltsmonitors der Medienanstalten

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Professionelle Beiträge bzw. als professionell wahrgenommene Postings in sozialen Medien stammen oft von Anbietern redaktionell-journalistischer Medienangebote, häufig aber auch von Unternehmen, die die sozialen Netzwerke als effektiven Marketingkanal nutzen.

Auch politische Akteure haben längst die kommunikativen Möglichkeiten der sozialen Medien entdeckt. Das Spektrum reicht von Postings politischer Interessensverbände, Parteien, Ministerien und Verwaltungen sowie politischen Einzelpersonen wie Parteipolitikern und Abgeordneten bis hin zu bezahlter politischer Werbung. Daneben treten die politischen Meinungsäußerungen und Diskussionsbeiträge von privaten Nutzern.

Die Medienanstalten haben vor diesem Hintergrund gezielt nach der Wahrnehmung und dem Umgang der Nutzer von Intermediären mit politischer Kommunikation und Werbung gefragt. Die Ergebnisse weisen auf die große Relevanz hin, die intermediäre Dienste mittlerweile auch in der direkten politischen Ansprache der Bürger haben: Knapp drei Viertel der Nutzer Sozialer Medien nehmen politische Botschaften auf Facebook, Instagram und/oder Twitter wahr.
 

Medienvielfaltsmonitor

Mit dem Medienvielfaltsmonitor untersuchen und dokumentieren die Medienanstalten kontinuierlich die Entwicklung der Rundfunk- und Medienlandschaft in Deutschland.

https://medienvielfaltsmonitor.de

Mediengewichtungsstudie

Die Mediengewichtungsstudie ermittelt das Gewicht der Mediengattungen Fernsehen, Hörfunk, Tageszeitungen, Zeitschriften und Internet für die Meinungsbildung der Bevölkerung.

Mediendatenbank

Die Mediendatenbank enthält Informationen zu Unternehmensbeteiligungen in Fernsehen, Hörfunk, Presse und Online. Auf ihrer Grundlage werden die Inhaber- und Beteiligungsverhältnisse im Medienvielfaltsmonitor ermittelt.

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