Intermediäre und Meinungsbildung

Soziale Netzwerke, Instant-Messaging-Dienste, Suchmaschinen oder Videoportale – die so genannten Medienintermediäre – sind wesentliche Elemente des Kommunikations- und Informationsverhaltens online. Sie vermitteln zwischen denen, die journalistisch-redaktionelle Inhalte erstellen und den Rezipienten bzw. Nutzern auf der anderen Seite. Sie sind damit wichtige Gatekeeper, denn ihre in Algorithmen kodifizierten Aggregations-, Selektions- und Präsentationskriterien entscheiden darüber, wie viele und welche Nutzer ein Angebot erreicht.

Die Studie Intermediäre und Meinungsbildung ist Bestandteil des Medienvielfaltsmonitors der Medienanstalten. Sie ermittelt, analog zur Mediengewichtungsstudie, die informierende Tagesreichweite von Intermediären sowie ihre relative Bedeutung im Informationsmix der befragten Personen. Grundlage ist eine bevölkerungsrepräsentative Befragung von jährlich mehr als 4000 Personen.

Kernbefunde der aktuellen Erhebung

Die Tagesreichweite der fünf wichtigsten Intermediäre hat im Vergleich zum Vorjahr wieder stärker angezogen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung nutzt täglich WhatsApp (52 %) und/oder Google (51 %), deutlich mehr als ein Viertel YouTube (29 %), jeder fünfte Facebook (20 %) und gut 18 % der Personen in Deutschland nutzen Instagram.

Intermediärsnutzung ist klar altersabhängig: Während bei den über 50-Jährigen etwas mehr als vier von zehn Personen Intermediäre nutzen (44 %), sind es bei den 14- bis 29-Jährigen fast doppelt so viele (86 %). Die größten Unterschiede finden sich bei Sozialen Netzwerken und Videoportalen.

Knapp vier von zehn Personen (39 %) in Deutschland nutzen Intermediäre auch, um sich über das Zeitgeschehen zu informieren. Google wird am häufigsten zu informierenden Zwecken genutzt, gefolgt von Facebook, YouTube, Instagram und WhatsApp. Erwartungsgemäß informieren sich unter den 14- bis 29-Jährigen mehr als drei Viertel (68 %) über Intermediäre, dabei liegen insbesondere YouTube und Instagram deutlich über dem Durchschnitt.

Intermediäre spielen eine wichtige Rolle als Gatekeeper journalistisch-redaktionell erstellter Inhalte. Fast ein Viertel (23 %) der Personen ab 14 Jahre in Deutschland nutzt die Medienintermediäre als Kontakthersteller zu professionellen journalistisch-redaktionellen Inhalten.

Im Intermediärsvergleich vereinen der Google-Mutterkonzern Alphabet und Facebook zusammen mit ihren Konzerntöchtern Instagram und YouTube gut 86 % des potenziellen Meinungsbildungsgewichts von Intermediären auf sich.

Studie 2020-I "Intermediäre und Meinungsbildung"

Kontinuierliche Studie auf Basis der Mediengewichtungsstudie, einer Komponente des Medienvielfaltsmonitors der Medienanstalten

PDF-Download

Beitrag: Medienintermediäre und Meinungsbildung

PDF-Download

Professionelle Beiträge bzw. als professionell wahrgenommene Postings in sozialen Medien stammen oft von Anbietern redaktionell-journalistischer Medienangebote, häufig aber auch von Unternehmen, die die sozialen Netzwerke als effektiven Marketingkanal nutzen.

Auch politische Akteure haben längst die kommunikativen Möglichkeiten der sozialen Medien entdeckt. Das Spektrum reicht von Postings politischer Interessensverbände, Parteien, Ministerien und Verwaltungen sowie politischen Einzelpersonen wie Parteipolitikern und Abgeordneten bis hin zu bezahlter politischer Werbung. Daneben treten die politischen Meinungsäußerungen und Diskussionsbeiträge von privaten Nutzern.

Die Medienanstalten haben vor diesem Hintergrund gezielt nach der Wahrnehmung und dem Umgang der Nutzer von Intermediären mit politischer Kommunikation und Werbung gefragt. Die Ergebnisse weisen auf die große Relevanz hin, die intermediäre Dienste mittlerweile auch in der direkten politischen Ansprache der Bürger haben: Knapp drei Viertel der Nutzer Sozialer Medien nehmen politische Botschaften auf Facebook, Instagram und/oder Twitter wahr.
 

Medienvielfaltsmonitor

Mit dem Medienvielfaltsmonitor untersuchen und dokumentieren die Medienanstalten kontinuierlich die Entwicklung der Rundfunk- und Medienlandschaft in Deutschland.

https://medienvielfaltsmonitor.de

Mediengewichtungsstudie

Die Mediengewichtungsstudie ermittelt das Gewicht der Mediengattungen Fernsehen, Hörfunk, Tageszeitungen, Zeitschriften und Internet für die Meinungsbildung der Bevölkerung.

Mediendatenbank

Die Mediendatenbank enthält Informationen zu Unternehmensbeteiligungen in Fernsehen, Hörfunk, Presse und Online. Auf ihrer Grundlage werden die Inhaber- und Beteiligungsverhältnisse im Medienvielfaltsmonitor ermittelt.

Zur Mediendatenbank