Intermediäre und Meinungsbildung

Soziale Netzwerke, Instant-Messaging-Dienste, Suchmaschinen oder Videoportale – die so genannten Intermediäre – sind wesentliche Elemente des Kommunikations- und Informationsverhaltens online. Sie vermitteln zwischen denen, die journalistisch-redaktionelle Inhalte erstellen und den Rezipienten bzw. Nutzern auf der anderen Seite. Sie sind damit wichtige Gatekeeper, denn ihre in Algorithmen kodifizierten Aggregations- Selektions- und Präsentationskriterien entscheiden darüber, wie viele und welche Nutzer ein Angebot erreicht.

Die Studie Intermediäre und Meinungsbildung ist Bestandteil des Medienvielfaltsmonitors der Medienanstalten. Sie ermittelt, analog zur Mediengewichtungsstudie, die informierende Tagesreichweite von Intermediären sowie ihre relative Bedeutung im Informationsmix der befragten Personen. Grundlage ist eine bevölkerungsrepräsentative Befragung von jährlich mehr als 4000 Personen.

Kernbefunde der aktuellen Erhebung

  • Die Tagesreichweite der der fünf wichtigsten Intermediäre war in den letzten beiden Jahren weitgehend stabil. Etwas weniger als die Hälfte der Bevölkerung nutzt täglich Whatsapp (48%) und/oder Google (47%), ein Viertel Youtube (25%), jeder fünfte Facebook (19%) und gut 15% der Personen in Deutschland nutzen Instagram.  
  • Intermediärsnutzung ist klar altersabhängig: Während bei den über 50-Jährigen etwa vier von zehn Personen Intermediäre nutzen, sind es bei den 14- bis 29-Jährigen doppelt so viele. Die größten Unterschiede finden sich bei Sozialen Netzwerken und Instant-Messengern.
  • Etwa jeder Dritte in Deutschland nutzt Intermediäre auch, um sich über das Zeitgeschehen zu informieren. Google wird am häufigsten zu informierenden Zwecken genutzt, gefolgt von Facebook, Youtube, Instagram und Whatsapp. Erwartungsgemäß informieren sich unter den 14- bis 29-Jährigen fast drei Viertel (62%) über Intermediäre, dabei liegen insbesondere Youtube, Instagram und Facebook weit über dem Durchschnitt.
  • Intermediäre spielen eine wichtige Rolle als Gatekeeper journalistisch-redaktionell erstellter Inhalte. Jeder Fünfte in Deutschland nutzt Intermediäre als Kontakthersteller zu professionellen journalistisch-redaktionellen Inhalten. Unter den Nutzern Sozialer Medien geben fast 80% an, professionell erstellte Beiträge zu nutzen.  
  • Im Intermediärsvergleich vereinen Google und Facebook zusammen mit Ihren Konzerntöchtern Instagram und YouTube gut 88% des Meinungsbildungsgewichts von Intermediären auf sich.

Studie 2019-II "Intermediäre und Meinungsbildung"

Kontinuierliche Studie auf Basis der MedienGewichtungsStudie, einer Komponente des MedienVielfaltsMonitors der Medienanstalten

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Professionelle Beiträge bzw. als professionell wahrgenommene Postings in sozialen Netzwerken stammen oft von Anbietern redaktionell-journalistischer Medienangebote, häufig aber auch von Unternehmen, die die sozialen Netzwerke als effektiven Marketingkanal nutzen.

Auch politische Akteure haben längst die kommunikativen Möglichkeiten der sozialen Medien entdeckt. Das Spektrum reicht von Postings politischer Interessensverbände, Parteien, Ministerien und Verwaltungen sowie politischen Einzelpersonen wie Parteipolitikern und Abgeordneten bis hin zu bezahlter politischer Werbung. Daneben treten die politischen Meinungsäußerungen und Diskussionsbeiträge von privaten Nutzern.

Die Medienanstalten haben vor diesem Hintergrund gezielt nach der Wahrnehmung und dem Umgang der Nutzer von Intermediären mit politischer Kommunikation und Werbung gefragt. Die Ergebnisse weisen auf die große Relevanz hin, die intermediäre Dienste mittlerweile auch in der direkten politischen Ansprache der Bürger haben: Knapp drei Viertel der Nutzer Sozialer Medien nehmen politische Botschaften auf Facebook, Instagram und/oder Twitter wahr.

Medienvielfaltsmonitor

Mit dem Medienvielfaltsmonitor untersuchen und dokumentieren die Medienanstalten kontinuierlich die Entwicklung der Rundfunk- und Medienlandschaft in Deutschland.

https://medienvielfaltsmonitor.de

Mediengewichtungsstudie

Die Mediengewichtungsstudie ermittelt das Gewicht der Mediengattungen Fernsehen, Hörfunk, Tageszeitungen, Zeitschriften und Internet für die Meinungsbildung der Bevölkerung.

Mediendatenbank

Die Mediendatenbank enthält Informationen zu Unternehmensbeteiligungen in Fernsehen, Hörfunk, Presse und Online. Auf ihrer Grundlage werden die Inhaber- und Beteiligungsverhältnisse im Medienvielfaltsmonitor ermittelt.

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