Ganz meine Meinung?

Politische Meinungsbildung in sozialen Netzwerken

Spätestens seit der zurückliegenden US-Wahl bestimmten Schlagworte wie Fake News, Social Bots oder Voter Targeting den öffentlichen Diskurs um politische Meinungs- und Willensbildung. Im Vorfeld der Bundestagswahl wird damit eine Debatte verschärft, in der es grundlegend darum geht, in welcher Weise Intermediäre wie Facebook oder Twitter Meinungsbildungsprozesse beeinflussen, etwa dadurch, dass ihre Algorithmen Informationen filtern, bewerten und personalisieren.

Wie lassen sich damit verbundene Risiken hinreichend differenzieren? Wie verändert sich die Orientierungs- und Vermittlungsfunktion journalistischer Angebote, gerade in Wahlkampfzeiten? Welche Verantwortung haben die Anbieter von Intermediären? Und schließlich: Wie sollten soziale Netzwerke – auf nationaler, aber auch europäischer Ebene – angemessen reguliert werden?

Schnelligkeit geht im Internet oft vor Wahrheit.

So verschärft sich im Vorfeld der Bundestagswahl gerade die Debatte darüber, in welcher Weise Intermediäre wie Facebook oder Twitter Meinungsbildungsprozesse beeinflussen.

Über Informationsvielfalt und Algorithmenmacht sprach Dr. Jan-Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Universität Hamburg (HBI), der im Rahmen einer qualitativen Studie im Auftrag der Medienanstalten die Relevanz von Intermediären für die Meinungsbildung untersuchte. Demnach ist Intermediär nicht gleich Intermediär. So dient Google über alle Altersgruppen hinweg als zentrales Informationswerkzeug zur gezielten Informationssuche. Facebook dagegen ermöglicht es eher, das Meinungsklima wahrzunehmen – und gegebenenfalls auch auf unerwartete Informationen zu stoßen. Schmidt hielt fest: „Die Wirkung der Intermediäre auf die Meinungsbildung lässt sich nicht linear belegen. Wer differenziert, kommt zu besseren Handlungsempfehlungen.“

Zu Differenzierung riet auch Prof. Dr. Birgit Stark vom Institut für Publizistik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, die über die Problematik der Echokammer auf Facebook informierte: „Facebook kann die Wichtigkeit von Themen und die wahrgenommene Kontroverse verändern. Dadurch kann es zu Polarisierungen kommen. Die populäre Vorstellung, dass wir uns alle in Filterblasen bewegen, muss aus wissenschaftlicher Sicht jedoch relativiert werden. Denn Internetnutzer informieren sich in der Regel aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Quellen. In ihrem Informationsrepertoire ist Facebook nicht die alleinige Nachrichtenquelle.“

Der Politik- und Strategieberater Julius van de Laar, der die Wahlkämpfe von Barack Obama begleitete, brachte die Perspektive der Praxis ein. Seiner Erfahrung nach gibt es Filterblasen und das sei auch gut so: „Für Kampagnen gibt es nichts Besseres als Filterblasen, durch sie können wir mobilisieren und demobilisieren.“

Dokumentation

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Pressemitteilung

Politische Meinungsbildung in Zeiten von Fake News – braucht es neue Regeln?
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Vorträge

Informationsvielfalt und Algorithmenmacht
Relevanz von Intermediären für die Meinungsbildung
Dr. Jan-Hinrik Schmidt, HBI
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Gefangen in der Echokammer?
Politische Meinungsbildung auf Facebook
Prof. Dr. Birgit Stark, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
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