Rückblick DLM im Dialog 2026: Vielfalt braucht Verantwortung – und Dialog

Berlin 15.04.2026

Die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) hat am gestrigen Dienstag, 14. April 2026, ihre Jahresveranstaltung „DLM im Dialog 2026 – Verantwortung für Vielfalt“ im Berliner Veranstaltungshaus Publix abgehalten. Knapp 160 Gäste aus den Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sind zusammengekommen, um über Medienvielfalt im digitalen Zeitalter zu diskutieren.

Der Abend machte noch einmal deutlich: Medienvielfalt ist kein Selbstläufer. Sie muss aktiv gesichert, reguliert – und vor allem: aktiv gestaltet werden.

Eröffnung: Transformation braucht einen klaren Kurs

DLM-Vorsitzender Dr. Thorsten Schmiege eröffnete den Abend mit einem klaren Bekenntnis zu Innovationsbereitschaft und Gestaltungswillen als Garant für publizistische Vielfalt:

Verantwortung für Vielfalt beginnt im Dialog. Die Diskussionen rund um Vielfalt im Feed (Public Value), Family Influencing und die Plattformökonomie im Audiomarkt haben eines gemeinsam: Es geht um aktuelle Innovationen im Medienmarkt, deren Auswirkungen auf die Vielfalt und wie Regulierung die Verantwortlichkeit dafür gewährleisten kann. Das lässt sich am besten gemeinsam lösen – wenn sich alle Beteiligten bewegen. Marco Giordani hat als neuer Group CEO von ProSiebenSat.1 bei seiner ersten Keynote in dieser Funktion aufgezeigt, dass es hier gemeinsamer Anstrengungen in Deutschland und Europa bedarf. Er setzt damit den Kurs in einer Branche, die sich in stürmischen Zeiten befindet.
Dr. Thorsten Schmiege
DLM-Vorsitzender

Forum Public Value: Ist Vielfalt im Feed regulierbar?

Neues dialogisches Format war das Forum Public Value, das in offener Runde die Frage in den Mittelpunkt stellte, ob Vielfalt im algorithmischen Feed überhaupt regulierbar ist.

Wenn Vielfalt für die öffentliche Meinungsbildung relevant bleiben soll, dann reicht es nicht mehr aus, sie nur im linearen Angebot von Benutzeroberflächen zu sichern. Sie muss dort ankommen, wo die Mediennutzung zunehmend bestimmt wird: im Feed.
Dr. Annette Schumacher
Geschäftsführerin der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien

Family Influencing – Kinder zwischen Kamera und Kommerz

Eines der sensibelsten Themen des Abends war das Werkstattgespräch zu Family Influencing. Die kommerzielle Vermarktung von Kindern auf Social-Media-Plattformen durch ihre Eltern wirft dringende Fragen des Kinder- und Jugendmedienschutzes auf – und trifft einen Nerv weit über die Medienpolitik hinaus.

Cornelia Holsten, Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt (brema), brachte die Debatte auf den Punkt:

Wer seine Kinder liebt, verzichtet darauf, sie auf Social Media zu kommerziellen Zwecken zu posten. Gummistiefel oder Schaufel zeigen genauso gut, dass man gerade zusammen eine schöne Zeit am Lieblingsstrand verbringt.
Cornelia Holsten
Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt (brema)

Dr. Eva Flecken, Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), ergänzte: 

Family Influencing ist kein Feel-Good-Content. Es ist ein Geschäftsmodell auf Kosten der Kinder, von dem nicht nur Erwachsene profitieren, sondern auch Plattformen – immerhin verdienen diese auch mit Aufmerksamkeit Geld. Mit technischen Lösungen ließen sich Kinderrechte sicherlich effektiver schützen. Ich bin gespannt, welche Anstrengungen Plattformen in diesem Feld unternehmen werden.
Dr. Eva Flecken
Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb)

Plattformökonomie im Audiomarkt: Smart Speaker, Datenmacht und die Zukunft des Hörfunks

Ein weiteres Werkstattgespräch widmete sich der wachsenden Dominanz globaler Plattformen im Audiomarkt – und was das für die Auffindbarkeit und Finanzierbarkeit lokaler Hörfunkangebote bedeutet:

Den Lieblings-Song oder -Radiosender zu hören ist einer der häufigsten Gründe, Sprachassistenten zu nutzen. Doch von dieser Wertschöpfung profitieren immer stärker die großen Plattformen: Sie entscheiden, welche Inhalte ausgespielt werden und verwerten die Nutzungsdaten für ihre eigenen Werbezwecke. Unsere Studie zeigt: Durch fairere Wettbewerbsbedingungen könnten Millionen an Werbeerlösen zu den Radioveranstaltern zurückfließen - und damit auch in die wichtige Finanzierung informationstragender Hörfunkangebote
Eva-Maria Sommer
Direktorin MA HSH

Marco Giordani setzt Ton für die Branche

Highlight des Abends war die Keynote von Marco Giordani, Group CEO der ProSiebenSat.1 Media SE. Es war sein erstes öffentliches Grundsatzstatement in dieser Funktion – und er nutzte die Bühne, um über Wege zur Stärkung des Medienpluralismus in Deutschland und Europa zu sprechen: 

Medienpluralismus heute zu stärken bedeutet, qualitativen Journalismus in einer algorithmus-gesteuerten Welt sichtbar zu machen und setzt gerade auch in Europa starke öffentliche und private Medien voraus – mit klar voneinander abgegrenztem Auftrag und fairen, nachhaltigen Rahmenbedingungen.
Marco Giordani
Group CEO der ProSiebenSat.1 Media SE

Impressionen von der DLM im Dialog