die medienanstalten | 15/2017 |

Google-Suche nach Politikern liefert allen Nutzern annähernd dieselben Ergebnisse

Forschungsprojekt mehrerer Medienanstalten misst kaum Anzeichen für Personalisierung

Die Suchergebnisse von Google zu deutschen Spitzenpolitikern weisen sehr hohe Ähnlichkeit auf und bieten kaum Raum für Personalisierung. Im Durchschnitt erhalten zwei unterschiedliche Nutzer, die mit Google nach Angela Merkel oder anderen Spitzenkandidaten von deutschen Parteien im Bundestagswahlkampf suchen, bei insgesamt neun organischen Suchergebnissen zwischen sieben und acht identische Treffer. Dies geht aus ersten Ergebnissen des Forschungsprojekts „#Datenspende: Google und die Bundestagswahl 2017“ im Auftrag von mehreren Medienanstalten hervor. Die Ergebnisse basieren auf einer Datenanalyse der Informatik-Professorin Dr. Katharina Anna Zweig von der Technischen Universität Kaiserslautern; die Daten dafür hat die gemeinnützige Initiative für die Kontrolle algorithmischer Entscheidungsfindung, AlgorithmWatch, eingesammelt.

Bei dem Forschungsprojekt werden mit Hilfe eines Browser-Plugins, das die Studienteilnehmer auf ihrem Rechner installieren, automatisiert Suchanfragen an Google gestellt. Gesucht wird nach den Namen von Politikern und Parteien. Die Trefferlisten, die Google auf diese Anfragen hin erzeugt, werden gesammelt und ausgewertet. Dabei zeigt sich auch, dass sich Googles Suchergebnisse zu Parteien deutlich weniger ähneln als jene zu Politikern. Ausschlaggebend dafür ist eine stärkere Regionalisierung der Ergebnisse bei Suchanfragen nach Parteien.

Siegfried Schneider, der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM): „Diese Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig es für unsere Gesellschaft ist, Einblick in die Wirkungsweise von Algorithmen zu bekommen, die einen direkten Einfluss auf die Meinungsvielfalt haben können. Eine wehrhafte Demokratie muss sich in digitalen Zeiten Transparenz darüber verschaffen können, in welchem Ausmaß Suchmaschinen oder andere Intermediäre meinungsrelevante Auswahlentscheidungen vorwegnehmen. Unser Forschungsprojekt zeigt Ansätze, wie eine solche gesellschaftliche Kontrolle von Algorithmen funktionieren kann.“

Studienleiterin Professorin Dr. Katharina Anna Zweig: „In unserer Analyse haben wir herausgefunden, dass die Ergebnisse der Google-Suche derzeit überraschend wenig personalisiert sind. Das könnte allerdings morgen schon wieder anders aussehen. Wir haben mit unserer Studie erstmalig bewiesen, dass es grundsätzlich möglich ist, Algorithmen von Intermediären im Verdachtsfall nachvollziehbar zu machen.“

Das Forschungsprojekt „#Datenspende: Google und die Bundestagswahl 2017“ wird finanziert von den Landesmedienanstalten Bayern (BLM), Berlin-Brandenburg (mabb), Hessen (LPR Hessen), Rheinland-Pfalz (LMK), Saarland (LMS) und Sachsen (SLM) und durchgeführt in Kooperation mit AlgorithmWatch und der TU Kaiserslautern.
 
Alle Ergebnisse der ersten Datenanalyse von Professorin Dr. Katharina Anna Zweig finden Sie hier.

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