Fernsehprogrammforschung: Stichprobe Frühjahr 2015

Mit der kontinuierlichen Fernsehprogrammforschung der Landesmedienanstalten werden seit Ende der 1990er Jahre die acht reichweitenstärksten deutschen Fernsehprogramme untersucht - also RTL, RTL II, VOX, Sat.1, ProSieben, kabel eins sowie ARD/Erstes Programm und ZDF. Jeweils im Frühjahr und im Herbst eines jeden Jahres wird dazu eine Programmwoche aufgezeichnet und ausgewertet. Die Ermittlung von struktureller und inhaltlicher Vielfalt der Programme steht dabei im Mittelpunkt.

Einige Schlaglichter auf die Ergebnisse:

Thematisch stand die Frühjahrsstichprobe 2015 unter dem Einfluss der europäischen Flüchtlingspolitik. Im Zentrum der Wirtschaftsberichterstattung stand der Streik der Lokführergewerkschaft GDL. Die Berichterstattung zur deutschen Innenpolitik wurde anfangs durch den Prozess gegen einen ehemaligen KZ-Buchhalter geprägt und später von der Diskussion über den Völkermord in Armenien abgelöst. Im Rahmen der Unterhaltungspublizistik spielte unter anderem die gesundheitliche Entwicklung der Tochter Whitney Houstons, die aus dem künstlichen Koma erwacht war, eine übergeordnete Rolle.

Kontinuität statt Innovation

Insgesamt sind die Programmstrukturen und Informationsprofile der privaten Fernsehprogramme in den letzten drei Halbjahren vor allem durch eines gekennzeichnet: Kontinuität. Nach dem Boom durch Formate des so genannten "Reality-TV", der die Programme teils nachhaltig veränderte, ist im Bereich der Formatentwicklung derzeit kein neuer Innovationsschub erkennbar.

Die als "fernsehpublizistisch" bezeichneten Formate - Nachrichten, Magazine, Talksendungen, Doku-Formate, Sportsendungen - machen zwischen acht Prozent (ProSieben) und 25 Prozent (RTL) der Sendezeit an einem Tag aus.

Grafische Darstellung über die politische Publizistik in der Gesamtsendezeit

Politische Publizistik in der Gesamtsendezeit

Grafische Umsetzung der Fernsehpublizistik: Standardformate in der Gesamtsendezeit

Fernsehpublizistik: Standardformate in der Gesamtsendezeit

Wenig politische Berichterstattung im Privatfernsehen

Der Anteil von Nachrichtensendungen im engeren Sinne ist dabei sehr gering und liegt zwischen einem Prozent (VOX und ProSieben) und vier Prozent (RTL). Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man über die Formate hinaus auch die Inhalte und Themen der Berichterstattung genauer betrachtet. Journalistische Informationsgebung im Privatfernsehen spielt sich weiterhin fast ausschließlich im privaten Lebensumfeld der Protagonisten und der Zuschauer ab. Gesellschaftlich kontroverse Themen sind im Vergleich zu Human-Touch- sowie Sach- und Ratgeberthemen nachrangig: Die Werte für Politikberichterstattung liegen entsprechend bei teils unter einem Prozent pro Tag. Eine stärkere Beteiligung an politischen Debatten und gesellschaftlichen Streitfragen scheint sich daher im Privatfernsehen nicht abzuzeichnen.

Der vollständige Bericht zur Frühjahrsstichprobe 2015 mit weiteren Befunden ist hier abrufbar. Zudem werden die zentralen Ergebnisse und weitere Sonderauswertungen - etwa zu Werbung in den privaten Programmen sowie deren Präsenz im Internet - im Frühjahr 2016 im Programmbericht der Medienanstalten veröffentlicht.

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