Viele Hände machen verschiedene Zeichen u.a. auch in Gebärdensprache.

Barrierefreiheit

In der Debatte um Inklusion spielt Barrierefreiheit eine Schlüsselrolle. Das Thema Barrierefreiheit hat längst einen festen Platz in der Arbeit der Medienanstalten. Regelmäßige Monitorings der Angebote, aussagekräftige Daten zur Mediennutzung und der Austausch mit Politik und Betroffenenverbänden bilden dafür die Grundlage.

Die jährlich durchgeführten Monitorings zur Erhebung des Status Quo und der Entwicklungen barrierefreier Angebote im privaten Fernsehen sind ein wichtiger Baustein im Engagement der Medienanstalten für eine Verbesserung medialer Teilhabemöglichkeiten. Diese regelmäßigen Erhebungen seit 2012 hatten eine beachtliche Steuerungswirkung.

Auch wenn die Anteile an untertitelten Sendungen in den privaten Programmen weiterhin deutlich verbesserungsfähig sind: Die beiden reichweitenstärksten privaten Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 haben in den letzten Jahren ihr Engagement stetig ausgebaut.

Die wesentlichen Ergebnisse der Monitorings werden jährlich im Content-Bericht der Medienanstalten veröffentlicht.

Auch innerhalb der ERGA (der European Regulators Group for Audiovisual Media Services) haben sich die Medienanstalten intensiv mit dem Thema Barrierefreiheit auseinandergesetzt. Der im November 2016 veröffentlichte ERGA-Bericht hierzu gibt einen Überblick über entsprechende Initiativen zur Verbesserung des Zugangs von Menschen mit Behinderungen zu audiovisuellen Angeboten in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten.

 

Mediennutzung von Menschen mit Behinderungen

Bislang war noch nicht durch Zahlen belegt, wie Menschen mit Behinderungen Medien überhaupt nutzen. Das hat eine Studie der Medienanstalten und der Aktion Mensch geändert, mit der erstmals bundesweit alle Formen von Behinderung bezogen auf Mediennutzung abgebildet wurden:

  • Welche Medienangebote werden von Menschen mit Behinderungen genutzt?
  • Welche sind besonders attraktiv?
  • Wo bestehen die größten Zugangsbarrieren?

Die bisher größte standardisierte Befragung in diesem Themenbereich wurde von der TU Dortmund in Kooperation mit dem Hans-Bredow-Institut für Medienforschung durchgeführt. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts wurden im Oktober 2016 im Rahmen der Münchner Medientage erstmals öffentlich vorgestellt.

Sie belegen, dass das Fernsehen bei Menschen mit Behinderungen das meistgenutzte Medium ist. Den hohen funktionalen Stellenwert des Fernsehens machen auch die Nutzungsmotive deutlich: Neben Information, Spaß und Entspannung steht bei der großen Mehrheit der Befragten das spezifische Nutzungsmotiv des „Mitreden-Könnens“ an vorderster Stelle. Noch immer sind Menschen mit Behinderungen von vielen Medien-Angeboten ausgeschlossen und können so teilweise eben nicht mitreden, wenn Freunde oder Kollegen über das Fernsehprogramm sprechen – auch und gerade über populäre, unterhaltende Formate.

Noch immer sind Menschen mit Behinderungen von vielen Medienangeboten ausgeschlossen.

Mehr Barrierefreiheit im Fernsehen ist also nicht nur ein wichtiges gesellschaftliches Ziel, sondern erschließt den Sendern auch neue Zuschauergruppen. Fest steht, dass es für barrierefreie Angebote durchaus einen Markt gibt, der durch die Medienschaffenden noch stärker erschlossen werden sollte.

Das Thema Barrierefreiheit wird weiterhin einen hohen Stellenwert in der Arbeit der Medienanstalten haben – im Gespräch mit den Veranstaltern und Verbänden sowie beim regelmäßigen Austausch mit der Beauftragten der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Die Medienanstalten werden sich auch in Zukunft dafür einsetzen, das wichtige Thema bei den privaten Sendern noch weiter voranzubringen.

Downloads

Bericht der ERGA zur Barrierefreiheit

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